Menschenbilder

Mai 21st, 2010

… sind nicht nur theoretisch interessant, sondern auch von immenser praktischer Bedeutung. Im persönlichen Umgang wie in der Managementpraxis.

Und das nicht erst seit der Unterscheidung zwischen “Theorie X” und “Theorie Y”, den beiden Abkürzungen für den pessimistischen und menschenfeindlichen bzw. optimistischen und menschenfreundlichen Ansatz im Management, die der Amerikaner Douglas McGregor prägte.

Menschenbilder sind der bewusste oder unbewusste Motor jeglichen Verhaltens von Führungskräften. Als tiefsitzende Überzeugungen prägen sie die Interaktion zwischen Führungskräften und Mitarbeitern.

In der Literatur finden sich die unterschiedlichsten Menschenbilder eines der eindrucksvollsten zeichnet Shakespeare in seinem Hamlet:

Hamlet:
What a piece of work is a man, how noble in reason, how
infinite in faculties, in form and moving how express and
admirable, in action how like an angel, in apprehension how like a god! the beauty of the world, the paragon of animals—and yet,
to me, what is this quintessence of dust? [...]

Hamlet Act 2, scene 2, 303–312

Welch ein Meisterwerk ist der Mensch! Wie edel durch Vernunft! Wie unbegrenzt an Fähigkeiten! In Gestalt und Bewegung wie bedeutend und wunderwürdig! Im Handeln wie ähnlich einem Engel! Im Begreifen wie ähnlich einem Gott! Die Zierde der Welt! Das Vorbild der Lebendigen! Und doch, was ist mir diese Quintessenz von Staube?

http://gutenberg.spiegel.de/?id=12&xid=2615&kapitel=1

Dazu passt auch Psalm 8:4-7:

Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und des Menschenkind, daß du sich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht denn Gott, und mit Ehre und Schmuck hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk; alles hast du unter seine Füße getan[:...]


Sprechen Sie Spanisch oder kennen Sie die Produktpräsentationen von Apple gut.

Dann werden Sie das folgende Video lieben - einfach reinklicken und genießen:

Und lassen Sie sich überraschen wie modern sich eine der größten Erfindungen der Menschheit auch noch verkaufen lässt.

Gerade habe ich in der Süddeutschen Zeitung einen interessanten Verweis auf einen FORTUNE-Artikel entdeckt.

Darin werden die zehn wichtigsten “Gurus” vorgestellt.

Am spannendesten finde ich spontan Niko Canner. Seine Kernidee ist es, dass Unternehmen Wandel vermeiden oder sich (nur) auf Kosten ihrer Kernkompetenzen verändert.

Mehr über Canner findet man in seinem Blog http://humanenterpriseblog.com/

Mehr findet sich direkt in der Gallerie in der Online-Ausgabe von FORTUNE

10 new gurus you should know - BJ Fogg (1) - FORTUNE

Prentice Mulford

Gib viel - nimm viel …

Februar 9th, 2010

Die Geschichte von den speisenden Philosophen oder ein Lehrstück über die Moral von Geben und Nehmen.

Jetzt in diesen Tagen der Finanzkrise wird viel spekuliert - an der Börse und über die Börse.

In diesen Tagen wird eine sehr alte Geschichte wieder aktuell - topaktuell:

Die Geschichte von den speisenden Philosophen.  Ein sehr altes Gedankenexperiment über die Effekte von Egoismus und Gier einerseits und Altruismus und Menschenfreundlichkeit andererseits. Worum geht’s?

Im alten Griechenland (wo sonst) wurden einmal eine Gruppe von Philosophen wegen Gotteslästerungen eingesperrt. (Das war dort seit der Hinrichtung Sokrates’ mit dem Schierlingsbecher sehr beliebt, denn missliebige Philosophen, die die Existenz von polytoxikomanen und promisken Gottheiten anzweifelten, gab es dort genug.)

Nun saßen also diese paar Philosophen gefangen in einem Kerker.

An den Boden gekettet - mit den Füßen und mit einer Hand. Das ist nun weder besonders bequem, noch sonderlich praktisch. Aber die Hüter des Gefängnisses hatten es sich in den Kopf gesetzt, herauszufinden, ob die ach so klugen und aufrechten Philosophen es auch tatsächlich ernst meinte mit ihrer Ethik.

Also stellen sie das Essen mitten zwischen die Philosophen.

Die aber waren fein säuberlich in einem drei Meter durchmessenden Kreis angekettet. Und da saßen sie nun. Das Essen stand in der Mitte anderthalb Meter von ihnen entfernt. Phantastisch, dann nennt man dann bei offenem Brottrog verhungern.

Aber die Hüter des Gefängnisses waren keineswegs so ungebildet und unmenschlich. Sie gaben jedem Philosophen einen knapp zwei Meter langen Löffel. Das aber brachte die Philosophen, die inzwischen bereits einen gewaltigen Hungerhatten auch nicht wirklich weiter: Denn nun konnten sie zwar das Essen aus dem Topf in der Mitte schöpfen, aber leider nicht in den eigenen Mund.

Jedes mal wenn sie versuchten etwas von dem Essen in den Mund zu stecken, stellen sie ebenso leicht wie zuverlässig fest dass, ihr Kopf immer ungefähr einen Meter zu weit rechts (bei den wenigen Linkshändern zu weit links) auf den Schultern saß. Versuchten sie dagegen den Löffel weiter vorn zu fassen, verschütteten sie das gesamte Essen ehe sie es in den Mund hätten stecken können.

Sprich, sie konnten schöpfen soviel sie wollten, nur essen konnte keiner das Gelöffelte selbst.

Wie nun ging die Geschichte aus? Zwei Ausgänge sind überliefert, wobei unklar ist, welches der tatsächliche war, denn mit einem Blick auf das Menschengeschlecht scheinen beide etwa gleich wahrscheinlich.

Der einen Überlieferung nach starben alle Philosophen. Keine war altruistisch (oder in Spieltheorie bewandert) genug, einen oder mehrere andere zu füttern - und darauf zu hoffen, dass diese es im gleich tun würden. Also versuchte jeder einzelne doch irgendwie sich selbst zu füttern, was zunächst nur mühevoll, mit wachsender Schwäche aber immer schlechter gelang, bis zuletzt alle verhungerten.

Der anderen Überlieferung nach überlebten alle.

Tatsächlich begannen nun alle Philosophen einander gegenseitig zu füttern. Und siehe da jeder wurde satt. Indem jeder nicht sich selbst und auch nicht an alle gleichzeitig, sondern einen einzigen anderen versorgte, wurden alle satt, überlebten und wurde schließlich wegen ihrer Weisheit begnadigt.

So kann es gehen, wenn Menschen den Grat zwischen Raffgier und Weltverbesserung trittsicher beschreiten.

Im Gegensatz zu dem, was man in manchen Kommunikationstrainings lernen kann, ist Wahrnehmung nichts was man lernen müsste. Exakte Wahrnehmung vielleicht schon eher.

Doch letztlich ist das was wir, was jeder einzelne wahrnimmt immer schon gegeben.

Spannender ist dagegen die Frage, wie realitätsnah diese Wahrnehmung ist.

Realitätsnah im Sinne einer objektiven Wahrheit und im Gegensatz zu einer subjektiven Wirklichkeit.

Dabei ist es durchaus lohnend und in Konflikten förderlich, zunächst in die Wahrnehmung des anderen hineinzuschlüpfen.

Diese bilden zusammen mit der eigenen Wahrnehmung wichtige Facetten der Wahrheit, für die gerade nicht gilt, dass von zwei widersprüchlichen Sichtweisen eine falsch sein müsse.

Die Wahrheit und die Realität lässt sich oft nur über den Umweg über die subjektiven Wahrnehmungen und Wirklichkeiten (re)konstruieren und genau das kostet Kraft.

Doch gerade in konfliktbeladenen Situationen bringt dieses Investment die allerbesten Zinsen.

Kommunikationstraining extrem

August 27th, 2009

Es ist durchaus üblich, in Kommunikationstrainings günstige und ungünstige Sprechweisen zu unterscheiden und das auch zu trainieren. 

Egal, ob es um die Vermeidung des Wortes “Problem” geht oder darum Verallgemeinerungen zu unterlassen, es gibt die unterschiedlichsten Spielarten und auch die buntesten Trainingsmethoden.

Der Thriller “Verhandlungssache” illustriert in einer Schlüsselszene die hohe Schule der Verhandlungssprache bei Geiselnahmen. Sehen Sie selbst …

Wenn Ihnen stressfreie und respektvolle Trainings lieber sind, dann nutzen Sie doch einfach unsere individuellen Entwicklungsangebote vom Seminar bis zum persönlichen Coaching …

Einfach, aber doch schick …

August 17th, 2009

Dicke Bücher sind normalerweise das richtige für die Sommerzeit. Vorausgesetzt man hat die klassische Kombination Sommer,  Sonne,  Strand parat.

Wer sich jedoch in dieser Zeit eher durch den Dschungel der Businesswelt schlagen muss, dem sei folgendes Buch von Manfred Prior empfohlen:

MiniMax-Interventionen: 15 minimale Interventionen mit maximaler Wirkung

Diese fünfzehn genialen Sprachmuster sollte jeder Mensch kennen, üben und beherrschen, der sich und anderen Türen zur Veränderung öffnen will.

Bei amazon kann man zwar in das Buch hineinsehen, aber bei knapp 10 € ist es das beste, man kauft es einfach gleich … denn bereuen wir man es nicht.

Keine Allheilmittel …

August 14th, 2009

Das “Law of the instrument” wurde 1964 von Kaplan formuliert:

Es besagt: Gib einem kleinen Jungen einen Hammer und er wird meinen, dass alles was ihm begegnet, einen Schlag mit dem Hammer braucht.

Im Original: “Give a small boy a hammer, and he will find that everything he encounters needs pounding.”

Nach meiner Beobachtung erklärt dieses Gesetz auch elegant die verschiedenen betriebswirtschaftlichen Moden; auch hier werden Werkzeuge angepriesen (sehr selten ein Werkzeugkasten), die - oh Wunder - scheinbar überall und oft mechanisch angewendet werden.

Es erklärt auch die virusartige Ausbreitung von Begriffen wie “Coaching”. Es ist fast unmöglich eine Businesszeitschrift aufzuschlagen oder einem Gespräch zwischen Führungskräften zuzuhören, bei dem nicht das Wort “Coaching” fällt. Wobei alleine schon die Vielzahl der scheinbar sinnvollen Anwendungsbereich zeigt, dass von mitunter grundverschiedenen “Werkzeugen” die Rede ist.

Abhilfe verspricht nur eine konsequente Situationsbeschreibung (alias Analyse) die aufdeckt, was wirklich Not tut. Und eine angemessene Reaktion, die idealerweise nicht durch die Verfügbarkeit von Handlungsoptionen, sprich: den mehr oder weniger vollen Werkzeugkasten begrenzt wird.

Dazu braucht es aber eine alte Tugend: Die Demut.

Die Demut zu erkennen, dass das Werkzeug, das man hat (und hoffentlich beherrscht) alles richten kann.

Es gibt eben keine Allheilmittel …