Gib viel - nimm viel …

Februar 9th, 2010

Die Geschichte von den speisenden Philosophen oder ein Lehrstück über die Moral von Geben und Nehmen.

Jetzt in diesen Tagen der Finanzkrise wird viel spekuliert - an der Börse und über die Börse.

In diesen Tagen wird eine sehr alte Geschichte wieder aktuell - topaktuell:

Die Geschichte von den speisenden Philosophen.  Ein sehr altes Gedankenexperiment über die Effekte von Egoismus und Gier einerseits und Altruismus und Menschenfreundlichkeit andererseits. Worum geht’s?

Im alten Griechenland (wo sonst) wurden einmal eine Gruppe von Philosophen wegen Gotteslästerungen eingesperrt. (Das war dort seit der Hinrichtung Sokrates’ mit dem Schierlingsbecher sehr beliebt, denn missliebige Philosophen, die die Existenz von polytoxikomanen und promisken Gottheiten anzweifelten, gab es dort genug.)

Nun saßen also diese paar Philosophen gefangen in einem Kerker.

An den Boden gekettet - mit den Füßen und mit einer Hand. Das ist nun weder besonders bequem, noch sonderlich praktisch. Aber die Hüter des Gefängnisses hatten es sich in den Kopf gesetzt, herauszufinden, ob die ach so klugen und aufrechten Philosophen es auch tatsächlich ernst meinte mit ihrer Ethik.

Also stellen sie das Essen mitten zwischen die Philosophen.

Die aber waren fein säuberlich in einem drei Meter durchmessenden Kreis angekettet. Und da saßen sie nun. Das Essen stand in der Mitte anderthalb Meter von ihnen entfernt. Phantastisch, dann nennt man dann bei offenem Brottrog verhungern.

Aber die Hüter des Gefängnisses waren keineswegs so ungebildet und unmenschlich. Sie gaben jedem Philosophen einen knapp zwei Meter langen Löffel. Das aber brachte die Philosophen, die inzwischen bereits einen gewaltigen Hungerhatten auch nicht wirklich weiter: Denn nun konnten sie zwar das Essen aus dem Topf in der Mitte schöpfen, aber leider nicht in den eigenen Mund.

Jedes mal wenn sie versuchten etwas von dem Essen in den Mund zu stecken, stellen sie ebenso leicht wie zuverlässig fest dass, ihr Kopf immer ungefähr einen Meter zu weit rechts (bei den wenigen Linkshändern zu weit links) auf den Schultern saß. Versuchten sie dagegen den Löffel weiter vorn zu fassen, verschütteten sie das gesamte Essen ehe sie es in den Mund hätten stecken können.

Sprich, sie konnten schöpfen soviel sie wollten, nur essen konnte keiner das Gelöffelte selbst.

Wie nun ging die Geschichte aus? Zwei Ausgänge sind überliefert, wobei unklar ist, welches der tatsächliche war, denn mit einem Blick auf das Menschengeschlecht scheinen beide etwa gleich wahrscheinlich.

Der einen Überlieferung nach starben alle Philosophen. Keine war altruistisch (oder in Spieltheorie bewandert) genug, einen oder mehrere andere zu füttern - und darauf zu hoffen, dass diese es im gleich tun würden. Also versuchte jeder einzelne doch irgendwie sich selbst zu füttern, was zunächst nur mühevoll, mit wachsender Schwäche aber immer schlechter gelang, bis zuletzt alle verhungerten.

Der anderen Überlieferung nach überlebten alle.

Tatsächlich begannen nun alle Philosophen einander gegenseitig zu füttern. Und siehe da jeder wurde satt. Indem jeder nicht sich selbst und auch nicht an alle gleichzeitig, sondern einen einzigen anderen versorgte, wurden alle satt, überlebten und wurde schließlich wegen ihrer Weisheit begnadigt.

So kann es gehen, wenn Menschen den Grat zwischen Raffgier und Weltverbesserung trittsicher beschreiten.

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